Absicherung & Vorsorge
Gesetzlich oder privat versichern
Der Vergleich wird fast immer als Beitragsrechnung geführt und ist keine. Er ist eine Entscheidung über Jahrzehnte, mit einer Tür, die sich hinter dir schließt.
8 Minuten Lesezeit · Stand 18.09.2026
Kurz gesagt
- In der gesetzlichen Versicherung richtet sich der Beitrag nach dem Einkommen, in der privaten nach Alter, Gesundheit und Tarif.
- Familienangehörige ohne eigenes Einkommen sind gesetzlich beitragsfrei mitversichert, privat kostet jede Person einen eigenen Beitrag.
- Der Rückweg in die gesetzliche Versicherung ist als Selbstständiger praktisch verschlossen, solange die Selbstständigkeit besteht.
Zwei verschiedene Logiken
Die gesetzliche Krankenversicherung bemisst den Beitrag an deiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, begrenzt durch eine Mindestbemessungsgrundlage nach unten und die Beitragsbemessungsgrenze nach oben. Wer wenig verdient, zahlt wenig, aber nie weniger als den Mindestbeitrag.
Die private Versicherung bemisst den Beitrag am Risiko: Eintrittsalter, Gesundheitszustand, gewählter Leistungsumfang. Das Einkommen spielt keine Rolle, weder nach oben noch nach unten. Genau das ist Vorteil und Risiko zugleich.
Wer überhaupt wählen kann
Hauptberuflich Selbstständige können sich privat versichern oder freiwillig gesetzlich bleiben. Wer aus einer Anstellung kommt, bleibt in der Regel zunächst freiwillig gesetzlich versichert, wenn er nichts anderes veranlasst.
Über die Künstlersozialkasse versicherte Selbstständige sind ein Sonderfall: Sie sind grundsätzlich pflichtversichert und erhalten die Hälfte des Beitrags bezuschusst. Wer diesen Zugang hat, sollte ihn sehr genau gegen jeden privaten Tarif rechnen.
Die Fragen, an denen es wirklich hängt
Familie: Ehepartner ohne eigenes Einkommen und Kinder sind gesetzlich beitragsfrei mitversichert. Privat zahlt jede Person einen eigenen Beitrag. Bei drei Kindern kehrt sich fast jeder Beitragsvergleich um.
Einkommensverlauf: Der gesetzliche Beitrag sinkt in schwachen Jahren, der private nicht. Wer stark schwankende Einkünfte hat, kauft mit der gesetzlichen Versicherung eine Flexibilität, die im schlechten Jahr viel wert ist.
Alter: Der private Beitrag ist am Anfang niedrig und steigt über die Jahrzehnte, weil Gesundheitskosten und Alterungsrückstellungen wirken. Der Vergleich, der nur das erste Jahr betrachtet, beantwortet die falsche Frage.
Gesundheit: Der Zugang zur privaten Versicherung hängt an der Gesundheitsprüfung. Was heute selbstverständlich erscheint, kann nach einer Diagnose unmöglich werden.
Der Rückweg
Für Selbstständige ist er praktisch verschlossen. Zurück in die gesetzliche Versicherung führt in der Regel nur der Weg über eine versicherungspflichtige Anstellung unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze, und ab 55 Jahren ist auch das weitgehend ausgeschlossen.
Das ist der Grund, warum diese Entscheidung mehr Aufmerksamkeit verdient als die meisten anderen Gründungsentscheidungen: Sie ist die einzige, die sich später nicht mehr korrigieren lässt.
Was der Rechner hier leisten kann und was nicht
Der Krankenversicherungsrechner zeigt die gesetzliche Seite vollständig: Beitrag, Mindestbeitrag, Höchstbeitrag, Wirkung des Zusatzbeitrags. Das ist die Seite, die sich rechnen lässt, weil sie an Parametern hängt, die veröffentlicht sind.
Die private Seite lässt sich nicht seriös daneben rechnen. Ihr Beitrag hängt an Tarif, Eintrittsalter und Gesundheitsprüfung, also an individuellen Größen. Ein Vergleich, der das ignoriert, sieht präzise aus und ist es nicht.
Häufige Fragen
- Was kostet die gesetzliche Versicherung mindestens?
- Die Mindestbemessungsgrundlage beträgt ein Drittel der monatlichen Bezugsgröße, 2026 also 1.318,33 Euro. Daraus ergibt sich mit Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung ein Mindestbeitrag von rund 278 Euro im Monat.
- Kann ich als Selbstständiger Krankengeld bekommen?
- Ja, mit einem entsprechenden Wahltarif oder über einen Krankengeldanspruch, der den allgemeinen statt des ermäßigten Beitragssatzes auslöst. Ohne diese Wahl gibt es im Krankheitsfall kein Einkommen.
- Lohnt sich privat bei hohem Einkommen?
- Der Beitrag ist dann oft niedriger, weil der gesetzliche am Höchstbeitrag steht. Ob es sich lohnt, entscheidet aber der Verlauf über Jahrzehnte, die Familiensituation und die Frage, wie sicher das hohe Einkommen ist.
- Was ist mit der Basisabsicherung in der Steuer?
- Beiträge zur Basisabsicherung in Kranken- und Pflegeversicherung sind als Sonderausgaben in voller Höhe abziehbar, gesetzlich wie privat. Komfortleistungen im privaten Tarif sind es nicht.
Tim Rutte, Betreiber und Autor. Über diese Seite
Zuletzt geprüft am 18.09.2026. Dieser Text ist eine Orientierung auf Basis der genannten Quellen und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.