Absicherung & Vorsorge
Altersvorsorge ohne Arbeitgeber
Für die meisten Selbstständigen gibt es keine Pflicht zur Altersvorsorge und damit auch keinen Automatismus. Das ist Freiheit und Problem zugleich: Was nicht abgezogen wird, wird selten eingezahlt.
8 Minuten Lesezeit · Stand 18.09.2026
Kurz gesagt
- Nicht alle Selbstständigen sind frei: Lehrende, Pflegekräfte, Handwerker in zulassungspflichtigen Gewerken, Künstler und Publizisten sind pflichtversichert.
- Die Basisrente ist steuerlich am stärksten gefördert und am stärksten gebunden: kein Zugriff, keine Kündigung, keine Vererbung außer an enge Angehörige.
- Die steuerliche Förderung ist ein Argument, aber nicht das einzige. Bindung, Kosten und Flexibilität gehören daneben.
Zuerst prüfen: besteht schon Versicherungspflicht?
Die Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ist die Ausnahme, aber keine seltene. Sie trifft unter anderem Lehrende und Erziehende ohne versicherungspflichtige Angestellte, Pflegekräfte, Hebammen, Künstler und Publizisten über die Künstlersozialkasse, Handwerker in zulassungspflichtigen Gewerken und Selbstständige mit nur einem Auftraggeber.
Wer darunter fällt und es nicht weiß, hat kein Vorsorgeproblem, sondern ein Beitragsproblem: Die Deutsche Rentenversicherung kann Beiträge nachfordern. Im Zweifel ist die Klärung der erste Schritt, nicht der Vertragsabschluss.
Die Wege im Überblick
Die gesetzliche Rentenversicherung steht auch freiwillig offen. Sie ist unflexibel in der Rendite, aber robust: Erwerbsminderungsschutz, Hinterbliebenenrente und eine Leistung, die nicht an Kapitalmärkten hängt.
Die Basisrente, auch Rürup genannt, ist die steuerlich stärkste Variante: Beiträge sind bis zum Höchstbetrag der Basisversorgung als Sonderausgaben abziehbar. Dafür ist das Kapital gebunden, nicht kündbar und nicht beleihbar.
Berufsständische Versorgungswerke gelten für Kammerberufe wie Ärzte, Anwältinnen, Architekten und Steuerberater. Wer dazugehört, ist meist Pflichtmitglied, und die Beiträge zählen auf denselben Höchstbetrag wie die Basisrente.
Freies Sparen in Wertpapieren oder Immobilien ist steuerlich nicht gefördert, aber verfügbar. Für Selbstständige mit schwankendem Einkommen ist diese Verfügbarkeit ein eigener Wert.
Warum die Steuerersparnis nicht allein entscheidet
Die Förderung der Basisrente wirkt am stärksten in Jahren mit hohem Gewinn, weil sie am Grenzsteuersatz hängt. Genau deshalb ist der Einmalbeitrag im Dezember so beliebt, und genau deshalb ist er riskant: Er bindet Geld, das im Januar als Liquidität fehlen kann.
Die spätere Rente ist außerdem steuerpflichtig. Verschoben wird also die Steuer, nicht abgeschafft. Ob sich das lohnt, hängt an deinem Satz heute, deinem Satz im Alter und an den Kosten des Vertrags.
Der Basisrentenrechner zeigt die Wirkung im Einzahlungsjahr vollständig: abziehbarer Betrag, Ersparnis und Nettoaufwand, gerechnet über den tatsächlichen Tarif statt über einen angenommenen Satz.
Eine Reihenfolge, die in der Praxis trägt
Erstens die Absicherung der Arbeitskraft: Berufsunfähigkeit oder eine vergleichbare Lösung. Ein Vorsorgeplan ohne sie ist ein Plan für den Fall, dass alles gut geht.
Zweitens eine Liquiditätsreserve über mehrere Monate. Wer im schlechten Monat den Vorsorgevertrag beitragsfrei stellen muss, verliert mehr, als er vorher gespart hat.
Drittens der langfristige Aufbau, mit dem Anteil an gebundener Vorsorge, den dein Einkommen sicher trägt. Für viele ist eine Mischung sinnvoll: ein gebundener Teil mit Förderung, ein freier Teil mit Verfügbarkeit.
Häufige Fragen
- Wie hoch ist der Höchstbetrag für die Basisversorgung 2026?
- 30.826 Euro für Alleinstehende, das Doppelte bei Zusammenveranlagung. Er gilt für alle Beiträge zur Basisversorgung zusammen, also auch für gesetzliche Rente, Versorgungswerk und Künstlersozialkasse.
- Lohnt sich die freiwillige gesetzliche Rentenversicherung?
- Sie ist eine Überlegung wert, wenn Beitragsjahre für einen Anspruch fehlen oder wenn Erwerbsminderungsschutz gebraucht wird. Als reine Renditeanlage ist sie selten die erste Wahl.
- Kann ich eine Basisrente wieder kündigen?
- Nein. Möglich ist nur, sie beitragsfrei zu stellen. Das Kapital bleibt bis zum Rentenbeginn gebunden. Deshalb sollte der laufende Beitrag so bemessen sein, dass er auch ein schwaches Jahr übersteht.
- Was ist mit der Künstlersozialkasse?
- Wer dort versichert ist, zahlt nur die Hälfte der Rentenbeiträge; die andere Hälfte trägt die Kasse. Das ist die günstigste Altersvorsorge, die Selbstständigen in Deutschland offensteht, und der Grund, die Aufnahme ernsthaft zu prüfen.
Tim Rutte, Betreiber und Autor. Über diese Seite
Zuletzt geprüft am 18.09.2026. Dieser Text ist eine Orientierung auf Basis der genannten Quellen und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.