Wachstum & Business
Von der Festanstellung in die Selbstständigkeit
Der Wechsel scheitert selten am Können und oft an drei Zahlen: dem Umsatz, der ein Gehalt ersetzt, der Rücklage, die den Anlauf trägt, und der Auslastung, die im ersten Jahr niedriger ist, als jeder plant.
8 Minuten Lesezeit · Stand 18.09.2026
Kurz gesagt
- Ein Bruttogehalt von 60.000 Euro entspricht als Freelancer grob 100.000 bis 120.000 Euro Umsatz, je nach Kosten und Absicherung.
- Der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung fällt weg und wird zu deiner Ausgabe. Das sind rund 20 Prozent des Bruttos.
- Sechs Monate Fixkosten als Rücklage sind der Anfang, nicht das Ziel. Im ersten Jahr kommt die Steuer noch obendrauf.
Was ein Gehalt tatsächlich kostet
Ein Angestellter sieht sein Brutto und seinen Nettolohn. Was er nicht sieht, ist der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung, die bezahlten Urlaubstage, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und die Weiterbildung auf Firmenkosten. Alles davon wird nach dem Wechsel zu deiner Ausgabe oder zu deinem Ausfall.
Deshalb ist der Vergleich „Stundensatz mal Stunden gegen Gehalt“ irreführend. Vergleichbar sind erst das verfügbare Einkommen auf der einen und der Nettolohn auf der anderen Seite, und dazwischen liegen Betriebskosten, Versicherung, Vorsorge, Steuern und die nicht abrechenbare Zeit.
Die Rechnung vor dem Wechsel
Starte beim gewünschten Netto, nicht beim gewünschten Stundensatz. Addiere Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit, Betriebskosten und die Steuer. Was dabei herauskommt, ist dein nötiger Umsatz.
Teile ihn dann durch die abrechenbaren Stunden, die im ersten Jahr realistisch sind. Wer aus einer Anstellung kommt, hat weder Pipeline noch Referenzen als Selbstständiger; 40 bis 60 Prozent Auslastung im ersten Jahr sind normal.
Der Vergleichsrechner für Freelancing und Festanstellung nimmt diese Rechnung in einem Durchgang ab, inklusive der Posten, die man beim Überschlag im Kopf regelmäßig vergisst.
Was vor der Kündigung stehen sollte
Eine Rücklage über mindestens sechs Monate Fixkosten, privat und betrieblich. Dazu die Steuerrücklage für das laufende Jahr, denn die erste Einkommensteuer kommt gesammelt und trifft auf ein Jahr, in dem du noch aufbaust.
Ein erster Kunde oder wenigstens ein belastbares Gespräch. Wer mit null Aufträgen startet, verbrennt die Rücklage in der Akquise, und Akquise unter Druck führt zu schlechten Preisen.
Die Absicherung geklärt: Krankenversicherung angemeldet, Berufsunfähigkeit geprüft, Altersvorsorge entschieden. Nach dem Wechsel ist die Krankenversicherung eine Rechnung, die pünktlich kommt, unabhängig davon, ob dein erster Kunde gezahlt hat.
Der weiche Weg: nebenberuflich anfangen
Wer neben der Anstellung startet, testet Preis, Nachfrage und die eigene Belastbarkeit ohne Existenzrisiko. Der Preis dafür ist der hohe Grenzsteuersatz: Das Nebeneinkommen wird auf das Gehalt aufgeschlagen und oben versteuert.
Zu klären sind vorher zwei Dinge: ob der Arbeitsvertrag die Nebentätigkeit erlaubt oder eine Anzeige verlangt, und ob die Tätigkeit dem Arbeitgeber Konkurrenz macht. Beides ist im Zweifel schriftlich besser als mündlich.
Die ersten zwölf Monate
Rechne mit einem Verlauf, nicht mit einem Startwert. Der Umsatz kommt ungleichmäßig, die Kosten nicht. Eine einfache Planung über 13 Wochen zeigt früh, in welchem Monat es eng wird, und lässt dir Zeit zu reagieren.
Und rechne mit dem zweiten Jahr: Dann kommen die erste Steuernachzahlung und die erstmalig festgesetzten Vorauszahlungen zusammen. Wer das eingeplant hat, erlebt es als Termin. Wer es nicht eingeplant hat, erlebt es als Krise.
Häufige Fragen
- Welchen Umsatz brauche ich für ein Gehalt von 60.000 Euro brutto?
- Als grobe Orientierung 100.000 bis 120.000 Euro, abhängig von Betriebskosten, Versicherung und Vorsorgeniveau. Der Vergleichsrechner rechnet es mit deinen Werten durch, statt mit einem Faktor zu arbeiten.
- Kann ich Arbeitslosengeld mitnehmen?
- Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, kann unter Voraussetzungen einen Gründungszuschuss erhalten. Wer selbst kündigt, riskiert eine Sperrzeit. Das ist ein Fall für die Agentur für Arbeit, nicht für einen Rechner.
- Sollte ich meine Rentenversicherung freiwillig weiterführen?
- Das hängt von deinem Alter, deinen bisherigen Beitragsjahren und deiner sonstigen Vorsorge ab. Wichtig ist nur, die Entscheidung bewusst zu treffen: Ohne Beiträge entstehen Lücken, die später teuer zu schließen sind.
- Wie viel Rücklage ist genug?
- Sechs Monate Fixkosten sind ein brauchbarer Startwert, plus die Steuerrücklage. Wer Familie, Miete und wenig Pipeline hat, sollte eher zwölf Monate ansetzen.
Tim Rutte, Betreiber und Autor. Über diese Seite
Zuletzt geprüft am 18.09.2026. Dieser Text ist eine Orientierung auf Basis der genannten Quellen und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.