Steuern & Netto
Nebenberuflich starten
Nebenberuflich zu starten ist der risikoärmste Weg in die Selbstständigkeit und der steuerlich teuerste. Jeder Euro Gewinn kommt oben auf dein Gehalt und wird mit deinem höchsten Steuersatz belastet.
7 Minuten Lesezeit · Stand 18.09.2026
Kurz gesagt
- Das Nebeneinkommen wird zum Gehalt addiert und mit dem Grenzsteuersatz belastet, häufig 35 bis 45 Prozent.
- Solange die Selbstständigkeit nebenberuflich bleibt, ändert sich an der Krankenversicherung meist nichts.
- Der Arbeitsvertrag entscheidet, ob eine Anzeige oder eine Genehmigung nötig ist. Ein Verbot jeder Nebentätigkeit ist unwirksam, ein Konkurrenzverbot nicht.
Der Arbeitsvertrag zuerst
Viele Verträge verlangen eine Anzeige oder eine Zustimmung. Ein pauschales Verbot jeder Nebentätigkeit hält in der Regel nicht, weil die Berufsfreiheit dagegen steht. Untersagt werden darf aber, was dem Arbeitgeber Konkurrenz macht oder die Arbeitsleistung beeinträchtigt.
Praktisch heißt das: Schriftlich anzeigen, auch wenn es formal nicht verlangt ist. Eine dokumentierte Anzeige ohne Widerspruch ist später deutlich mehr wert als eine mündliche Erlaubnis im Flur.
Die Steuerwirkung
Deine Einkünfte werden zusammengerechnet. Der Gewinn aus der Nebentätigkeit landet also oben auf dem Gehalt und wird mit dem Grenzsteuersatz belastet, der bei einem mittleren Gehalt schnell bei 35 bis 42 Prozent liegt, mit Soli und Kirchensteuer darüber.
Aus dem Lohn wird bereits Steuer einbehalten, aus dem Gewinn nicht. Die Nachzahlung kommt deshalb vollständig mit dem Bescheid. Wer nichts zurücklegt, hat das Geld längst ausgegeben.
Der Rechner für nebenberufliche Tätigkeit zeigt, was von einem zusätzlichen Auftrag nach Steuern tatsächlich übrig bleibt. Das ist regelmäßig weniger, als es sich beim Angebot anfühlt.
Krankenversicherung und die Grenze zur Hauptberuflichkeit
Solange die Selbstständigkeit nebenberuflich bleibt, zahlst du über die Anstellung weiter und für den Gewinn in der Regel keinen zusätzlichen Beitrag. Diese Einordnung nimmt deine Krankenkasse vor.
Sie prüft dabei Zeitaufwand und wirtschaftliche Bedeutung: Wenn die selbstständige Tätigkeit mehr Zeit beansprucht als die Anstellung oder mehr einbringt, kann sie hauptberuflich werden. Dann wird der Beitrag nach dem Arbeitseinkommen berechnet, und zwar rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Änderung.
Das ist der teuerste Übergang der ganzen Konstellation. Wer merkt, dass die Nebentätigkeit wächst, meldet sich besser selbst, statt auf die Prüfung zu warten.
Umsatzsteuer und Kleinunternehmerregelung
Die Grenzen des § 19 UStG gelten unabhängig davon, ob du daneben angestellt bist: 25.000 Euro im Vorjahr und 100.000 Euro im laufenden Jahr, im Gründungsjahr 25.000 Euro.
Für viele nebenberufliche Tätigkeiten ist die Kleinunternehmerregelung praktisch, weil sie Voranmeldungen erspart. Bei Geschäftskunden und nennenswerten Anschaffungen kann die Regelbesteuerung trotzdem günstiger sein.
Wann der Wechsel ansteht
Wenn die Nebentätigkeit regelmäßig mehr einbringt als der Aufwand rechtfertigt, wenn Anfragen abgelehnt werden müssen und wenn der Kalender nicht mehr trägt. Das sind gute Zeichen, und sie sind der Moment, in dem die Rechnung für den vollen Wechsel gemacht werden sollte.
Nicht zu empfehlen ist der Drift: monatelang beides halb, mit sinkender Qualität in beiden Rollen. Der nebenberufliche Start ist eine Phase mit Ziel, kein Dauerzustand.
Häufige Fragen
- Muss ich meinen Arbeitgeber informieren?
- Wenn der Vertrag es verlangt, ja. Auch ohne ausdrückliche Klausel ist die Anzeige sinnvoll: Sie schafft Klarheit und schützt dich, falls die Tätigkeit später als Konkurrenz gewertet werden soll.
- Ab welchem Gewinn muss ich eine Steuererklärung abgeben?
- Nebeneinkünfte über 410 Euro im Jahr lösen die Pflicht zur Abgabe aus. Die Anmeldung beim Finanzamt ist davon unabhängig und erfolgt schon bei Aufnahme der Tätigkeit.
- Zahle ich doppelt Krankenversicherung?
- In der Regel nein, solange die Tätigkeit nebenberuflich bleibt. Die Prüfung nimmt die Krankenkasse vor, und ihre Einordnung kann sich mit dem Umfang ändern.
- Lohnt sich das überhaupt bei dem Steuersatz?
- Als Einkommensquelle oft weniger, als es aussieht. Als Aufbau von Kunden, Referenzen und Erfahrung ist es fast immer sinnvoll. Der Wert liegt im Übergang, nicht im Nettoertrag der einzelnen Stunde.
Tim Rutte, Betreiber und Autor. Über diese Seite
Zuletzt geprüft am 18.09.2026. Dieser Text ist eine Orientierung auf Basis der genannten Quellen und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung.